Das Feuerschweißen

Das Feuerschweißen

Die wesentliche Aufgabe bei der Herstellung von Ketten besteht darin, die einzelnen Kettenglieder zu biegen, ineinanderzuhängen, zu schließen und dauerhaft zu verbinden. Die beste Möglichkeit der Verbindung ist das Schweißen. Dabei wird der Werkstoff erhitzt und mit oder ohne Druckanwendung so verbunden, daß er zusammen mit der Verbindungsstelle (Schweißnaht) eine Einheit bildet. Das älteste Schweißverfahren ist das Feuerschweißen. Es war schon vor 6000 Jahren im alten Ägypten bekannt und hielt sich als bewährte Methode bis ins 20. Jahrhundert hinein.

Erst allmählich wurde das Feuerschweißen durch die im Laufe der Industrialisierung entwickelten elektrischen Schweißverfahren abgelöst. Doch bevor wir auf diese neuen Methoden eingehen, gilt es zu erläutern, wie eine feuergeschweißte Kette gefertigt wurde. Der Kettenschmied schnitt zunächst den Draht mit der Drahtschere in gleich lange Stücke, sogenannte Pinne, deren Größe sich nach den jeweils zu fertigenden Kettengliedern richtete.Die einzelnen Pinne steckte er durch das Loch des am Amboß befindlichen Biegehörnchens, um sie mit einem Biegeeisen unter Ausnutzung der Hebelkraft u-förmig zu biegen (Abbildung). Stärkere Pinne wurden nicht am Biegehörnchen gebogen, sondern in einer sogenannten, ebenfalls mit Hebelkraft funktionierenden Pinnbiegmaschine.

pinn_01Die gebogenen Pinne hängte der Kettenschmied auf den Vorwärmen eine am Mauerwerk der Esse befestigte Eisenstange, die über das Schmiedefeuer ragte. Nach und nach nahm er die vorgewärmten Pinne mit einer Schmiedezange und erhitzte sie – mit den Enden nach vorne – im Feuer bis zur Weißglut.

Um diese hohe Temperatur von 1200-1300° zu erreichen, mußte das Feuer ständig mit Luft versorgt werden. Dazu bediente der Kettenschmied über ein Fußpedal einen unter der Decke befestigten Blasebalg, von dem aus eine Luftröhre in die Esse zum Schmiedefeuer führte. In manchen Kettenschmieden wurde der Blasebalg auch über ein Hundelaufrad betrieben. War der gebogene Pinn im Feuer weißglühend geworden, nahm ihn der Kettenschmied mit der Zange, legte ihn auf den Amboß, hielt ihn dort fest und schlug die beiden Enden des Pinns mit dem Schmiedehammer flach.

 

pinn_02Nach diesem sogenannten Anschärfen steckte er den gebogenen Pinn durch das zuletzt geschmiedete Kettenglied, hielt ihn um das Amboßhorn und schlug dort die beiden angeschärften Enden übereinander. Der u-förmige Pinn war damit zu einem Kettenglied geschlossen. Mit der Zange wurde das Kettenglied, das nun mit der übrigen Kette verbunden war, noch einmal ins Feuer gehalten und solange erhitzt, bis die ersten Funken flogen.

Dann mußte das Stück rasch aus dem Feuer entfernt werden, damit es nicht verbrannte. Der Schmied legte das Kettenglied dann schnell noch einmal auf den Amboß und schweißte die Nahtstelle mit Hammerschlägen auf die Vorder- und Rückseite und mit weiteren Schlägen am Amboßhorn fest zusammen.

pinn_03Die letzten Hammerschläge dienten dem Entgraten und Glätten der Schweißstelle. Die Kunst des Schmiedens lag sowohl in der Qualität des Vorglühens und dem Erkennen der notwendigen Schweißtemperatur (Weißglut) als auch in den gezielten Hammerschlägen. Um eine Abkühlung während des Schmiedens bzw. Zusammenschweißens zu vermeiden, mußte blitzschnell gearbeitet werden. Manche Kettenschmiede arbeiteten sogar bei „fliegender Hitze“. Das bedeutete, daß das Glied in die Kette eingehängt und vollständig verschweißt wurde, ohne es noch einmal zwischenzuglühen.

Die Herstellung einer schweren Schiffskette konnte ein Schmied alleine nicht bewältigen, er benötigte 1-2 Hilfskräfte, die sogenannten Vorschläger. Während der Schmied das Kettenglied mit der Zange hielt und drehte, schärften die Vorschläger die Enden des Kettengliedes an und verschweißten sie mit kräftigen Schlägen. Die Herstellung einer schweren Kette bedeutete immerwieder eine große Herausforderung; sie war Zeugnis der handwerklichen und technischen Fähigkeiten der Kettenschmiede und ebenso ein Statussymbol der jeweiligen Firma.

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Quellenangabe:

Dr. Marita Pfeiffer: „Fröndenberger Kettenbuch“