Museum

Das Heimatmuseum bietet in Trägerschaft des Heimatvereins im Obergeschoss des stadteigenen Stiftsgebäudes am Kirchplatz gegenüber der Kloster- und Stiftskirche:

  • in historischen Räumen aus dem 17. Jahrhundert einen Querschnitt durch die Fröndenberger Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart.
  • Dokumentierung der Bereiche Leben – Wohnen – Arbeiten in Form von

Möbeln, Textilien, Brautmode, Spielzeug (Puppensammlung), Hausrat und Werkzeugsammlungen verschiedener Handwerksberufe.

  • Visualisierung der Orts- und Heimatgeschichte durch Urkunden, Bilder und Dokumente aus dem Vereinsleben, dem kirchlichen Leben und aus dem privaten Leben. Hervorzuheben ist ein originaler Ablassbrief aus dem 13. Jh. für den Bau der Klosterkirche und eindrucksvolle Repros von Aufschwörungstafeln für Angehörige des Stiftskonventes aus dem 18. Jh. Auch eine restaurierte Bibel aus dem 18. Jh. und ein originaler Mesusah-Text (Haussegen) in hebräischer Schrift einer Fröndenberger jüdischen Kaufmannsfamilie dokumentieren die Vielfalt des Museumsbestandes.
  • Dokumente, Bilder und Erinnerungsstücke an außergewöhnliche Zeiten und Ereignisse der Nationalgeschichte, die auch Fröndenberg berührten wie z.B. der 1. und 2. Weltkrieg, die Inflation, die Währungsreform, den Wiederaufbau.
  • wechselnde Sonderausstellungen zu einzelnen Ereignissen, Familien oder bemerkenswerten Berufs- oder Randgruppen der Bevölkerung.
  • die historische Kulisse für nachgespielte Szenen aus der Ortsgeschichte unter dem Motto „Fröndenberger Zeitensprünge“.

 

Das Heimatmuseum ist geöffnet von Mai bis Oktober an jedem Samstag von 14 – 16 Uhr

Ansprechpartner für die Vermittlung von Führungen außerhalb der normalen Öffnungszeit ist

Rainer Ströwer 1. Vorsitzender des Heimatvereins Tel. 02303 – 40026 Mo – Fr ab 19 Uhr

Albert Hardebusch 2. Vorsitzender des Heimatvereins Tel. 02373 – 177 8910 Mo – Fr ab 19 Uhr

Jochen von Nathusius im Stadtarchiv, Stadtverwaltung Fröndenberg Tel. 02373 – 976 – 223 Mo – Do von 9 – 16 Uhr.

Der Eintritt ist kostenlos – Spenden werden gerne entgegen genommen!

 

Das Heimatmuseum – die Geschichte

Die Einrichtung eines Heimatmuseums war seit Gründung des Heimatvereins 1954 eines der großen Ziele des Vorstandes. Bereits im Frühjahr 1954 wurde die Bevölkerung aufgerufen, alte „Schätzchen“ aus Kellern und von Dachböden dem Verein zur Verfügung zu stellen. Gezeigt wurden diese zukünftigen Exponate u.a. in Wechselausstellungen in der Aula der Lutherschule.

Noch heute bilden die damals gesammelten Stücke den wesentlichen Grundstock des Museumsbestandes, wenngleich auch einige Stücke verlorengingen oder an die Leihgeber zurückgingen und sich der Museumsfundus seit 2002 erheblich vergrößerte.

1959 schaffte er Verein schaffte 10 Schränke für das Heimatmuseum an und erwarb eine Münzensammlung von Fabrikant Besing aus Langschede, wie überhaupt die Vorbereitungen zur Eröffnung des Heimatmuseums in den Räumlichkeiten des Stiftsgebäudes ganz im Vordergrund der Vereinstätigkeit der Jahre 1960/61 standen. Auf der Generalversammlung im Januar 1961 konnten den Mitgliedern der neueste Stand in Sachen Heimatmuseum erläutert werden. Die nunmehr drei zur Verfügung stehenden Räume im Stiftsgebäude seinen abgestützt, neu gedielt und gestrichen worden; zahlreiche zukünftige Ausstellungsstücke seien bereits eingelagert, bzw. von den Gebern versprochen.

Zusammen mit der Stadtverwaltung wurde am 10.Dezember 1961 mit einem Festakt in der Stiftskirche des 300jährigen Bestehens des Stiftsgebäudes gedacht. Im Anschluss erfolgte die Einweihung des Heimatmuseums und im Saalbau Schulte fand ein Heimatabend statt unter Mitwirkung des Heeresmusikkorps VII aus Münster. Bereits am Nachmittag hielt der stellv. Vorsitzende Pfarrer Hermann Bieker mit Dias von Herbert Meyer einen heimatkundlichen Vortrag. Die Festansprache hielt Oberschulrat Dr. Ernst Nolte aus Unna, Leiter des Arbeitskreises für Heimatgeschichte im Kreis Unna. Übrigens jener Ernst Nolte, der als Hauptbeteiligter im sogenannten „Historikerstreit“ der 1980er Jahre auf konservativer Seite gegen den Philosophen Jürgen Habermas stritt bundesweite Bekanntheit erlangte.

Eröffnung der Heimatstube 1961 Bild 1

Zum ersten Mal öffnete die „Heimatstube“ 1961 ihre Türen – heute an gleicher Stelle das Heimatmuseum

Ein denkwürdiger Tag für die Stadt, wie es im Rückblick auf der Generalversammlung 1962 formuliert wurde „weil diese große Heimatveranstaltung die Bürger unserer Stadt wieder einmal in den Bannkreis des geschichtlichen Erbes eintauchen ließ“.

2011 wurde mit einem „Tag der Fröndenberger Geschichte“ mit Vortragsveranstaltungen und Führungen dieses Tages vor 60 Jahren gedacht, der von der Bevölkerung gut angenommen wurde.

Wie der Heimatverein, so ruhte auch das Heimatmuseum für etwa zwei Jahrzehnte. Es ist jedoch von großer Bedeutung, dass in die Jahre von 1975 bis 1979 die grundlegende Sanierung des Stiftsgebäudes fiel und die Bestände des Museums dank Initiative des Vorstandes sachgerecht ausgelagert wurden und 1979 nunmehr ihren Platz im Obergeschoss des Gebäudes fanden. Pfarrer Hermann Bieker, Altbürgermeister Hubert Schmidt und Heimatpfleger Franz Lueg sind hier an erster Stelle zu nennen.

Ende der 1990er Jahre begann mit der Wiederbelebung des Heimatvereins auch eine Wiederbelebung des Museums. Vor allem Altbürgermeister Willi Demmer, unterstützt durch die Herren Bieker, Segtrop, Pradler und Joneit sind hierbei tätig gewesen. Auch der damalige Leiter des städtischen Kulturamtes Nobert Muczka und sein Vorgänger Werner König bemühten sich um den Fortbestand des Museums und suchten nach neuen Möglichkeiten der Öffnung für die Bevölkerung. Erschwert wurde diese Arbeit durch die Unmöglichkeit der Unterbringung schwerer Maschinen im Stiftsgebäude, denn auch die Überlieferung der Kettenindustrie sollte erhalten werden. Im Zuge dieser Bemühungen wurde 1999 das in seiner Art und Ausrichtung einzigartige Kettenschmiedemuseum auf der Industriebrache der Papierfabrik Himmelmann als zweites Museum in der Stadt eröffnet.

Beide Träger dieser Museen sind bemüht ihre Angebote zukünftig besser zu koordinieren und bereits ab 2013 konnten hierbei Erfolge erzielt werden durch Kombi-Angebote bei Stadtführungen für auswärtige Besucher.

Ab 2001 konnte in Person von Rainer Ströwer ein neuer und junger Vereinsvorsitzender gefunden werden, der sich um eine Neugestaltung des Museums kümmerte, neue Exponate beschaffte und durch unermüdliche Aktivitäten den Bekanntheitsgrad des Museums örtlich wie überörtlich steigern konnte. 2003 war die Neugestaltung durch eine Einteilung des Museumsraumes in verschiedene „Zimmer“ und Lebensumfelder im Wesentlichen abgeschlossen. Nützlicher Nebeneffekt war, dass mehr und mehr Menschen dem Museum Gegenstände aus Privatbesitz anboten, die den Bestand in den letzten zehn Jahren stark ansteigen ließ und wertvolle Themenbereiche abdecken, die bis dahin kaum repräsentativ hatten dargestellt werden können.

Auch Sonderausstellungen wurden und werden durchgeführt. Sie zeigten bisher u.a. historisches Spielzeug, Dokumente und Bilder einer Lehrerfamilie aus dem Stadtteil Frömern und Dokumente und Gegenstände zur Geschichte der jüdischen Familie Bernstein.

Auch Ausstellungen außerhalb der Museumsräume konnten durchgeführt werden – so eine Ausstellung von Gemälden der Fröndenberger Künstlerin Anna Gerardi in der Stiftskirche und im Foyer des Rathauses eine große Ausstellung zum 100. Jahrestages des Beginns des 1. Weltkrieges im Sommer 2014.

Nach Umbauarbeiten der Haustechnik konnte 2009 noch ein zusätzlicher Raum hinzu gewonnen werden und beherbergt heute eine wertvolle Fossilien- und Mineraliensammlung sowie die Überlieferung der Gutsbesitzerfamilie Schoppe aus dem Stadtteil Langschede.

Für den Ausbau dieses Raumes stellte die Stadt die nötigen Materialien zur Verfügung und in Eigenarbeit des Vereins unter Federführung der Vorstandsmitglieder Peter Nolte, Horst Dicke, Heinz Gräbe und des Vaters des Vorsitzenden, Artur Ströwer wurde der Raum hergerichtet und mit teilweise neu angeschafften staubdichten Vitrinen ausgestattet.

In den letzten Jahren wurde auch die pädagogische Museumsarbeit mit den Kindergärten und Grundschulen neu belebt und die Stadtführer des Heimatvereins beziehen wenn immer es möglich ist, das Museum in die Kinderführungen mit ein. Genannt seien hier die Stadtführer Berthold Degenhardt, Horst Dicke, Willi Demmer, Rainer Ströwer und Jochen v. Nathusius.

2014 begann auf Vorschlag des Westfälischen Museumsamtes eine intensive Neu-Inventarisierung der Bestände unter Leitung von Albert Hardebusch und Rolf Hollmann.

Eine Besonderheit sind die einmal im Jahr stattfindenden „Fröndenberger Zeitensprünge“. Hierbei werden innerhalb des Museums, auf dem Kirchplatz und in der Stiftskirche Szenen aus der Fröndenberger Geschichte vom Mittelalter bis in das 20. Jh. von Laienschauspielern in selbst angefertigten historisierenden Kostümen nachgestellt vor der Kulisse der historisch bedeutsamen Bausubstanz des Kirchplatzes und seines Umfeldes. Diese Aufführungen sind stets schnell ausgebucht und erfreuen sich durch ihre Lebendigkeit und Atmosphäre großer Beliebtheit auch bei Bürgerinnen und Bürgern, die ansonsten eher keine Museumsgänger sind. Initiator ist hierbei einmal mehr der ehrenamtliche Museumsleiter Rainer Ströwer.

© Heimatverein Fröndenberg, Jochen v. Nathusius